Telenotärzte in Vorpommern-Greifswald

 

Als drittgrößter Landkreis Deutschlands ist Vorpommern-Greifswald von weiten Wegen und einer geringen Bevölkerungsdichte geprägt. Das macht auch die Notfallversorgung zu einer Herausforderung. Der bodengebundene Einsatz von Rettungswagen kostet aufgrund langer Wege viel Zeit. Die Kapazitäten für Hubschraubereinsätze sind begrenzt.

Bildquelle: © Andreas Schössow, LK V-G

Mit dem Projekt „Land|Rettung“ wurden daher mithilfe digitaler Lösungen Einsatzszenarien entwickelt, die die bestmögliche Notfallversorgung nachhaltig sichern sollen. Zentrale Akteure der Umsetzung sind die Integrierte Leitstelle des Landkreises, die Universitätsmedizin Greifwald sowie die beauftragten Rettungsdienste.

Telenotärzt:innen kommen dann zum Einsatz, wenn keine lebensbedrohliche Indikation vorliegt. Gleichzeitig wird damit die Verfügbarkeit „physischer“ Notärzt:innen gesteigert. Seit dem Start im Oktober 2017 erfolgten mehr als 6.000 Einsätze von Telenotärzt:innen.

Es gibt fünf grundsätzliche Einsatzszenarien für den „Telenotarzt“:

  • Überbrückende Einsätze: In diesem Fall übernehmen Telenotärzt:innen die Begleitung der Notfallsanitäterinnen und -sanitäter vor Ort bis zum Eintreffen der/des „physischen“ Notärzt:in. Damit wird die Übergangszeit überbrückt.
  • Primäre Einsätze: Telenotärzt:innen können die Versorgung der Patient:innen remote übernehmen, wenn keine lebensbedrohliche Indikation vorliegt. In diesen Fällen kann auf den Einsatz einer/eines physischen Notärzt:in verzichtet werden. In einigen Fällen kann die Behandlung auch ausschließlich ambulant erfolgen, sodass auch die Notaufnahmen entlastet werden.
  • Nachforderung der Telenotärzt:innen: Um Unsicherheiten bei der richtigen Diagnose zu vermeiden, eine Zweitmeinung einzuholen oder die beste Zielklinik zu ermitteln, können Telenotärztinnen und -ärzte im Einsatz nachgefordert werden. Auf diese Weise können (junge) Notärztinnen und -ärzte vor Ort durch weiterführende Einschätzungen und Informationen unterstützt und die Patientensicherheit insgesamt verbessert werden.
  • Organisation und Begleitung von Verlegtransporten: Telenotärzt:innen können die Begleitung von Verlegtransporten übernehmen, bei denen eine Ärzt:in anwesend sein muss. Auf diese Weise kann die Patientensicherheit gewährleistet und die „knappe Ressource“ der Notärztinnen und -ärzte für die Einsätze genutzt werden, in denen „physische“ Notärzt:innen erforderlich sind.
  • Übergabe vor Ort im Klinikum durch die Telenotärzt:in: Die Übergabe an die Ärzt:innen kann inklusive sämtlicher Dokumentationen bis zu drei Stunden in Anspruch nehmen. In dieser Zeit sind Notärzt:innen im Notfall nicht verfügbar. Um Entlastung und schnellere Einsatzfähigkeit herzustellen, können Telenotärzt:innen diese Übergabe übernehmen.

Die Erfahrungen zeigen, dass Patient:innen und Mitarbeiter:innen ein hohes Vertrauen in die Telenotärzt:innen haben. Daher soll der „Telenotarzt“ auch auf andere Regionen in Mecklenburg-Vorpommern ausgeweitet werden.

Technisch basiert der „Telenotarzt“ auf einer Telenotarztzentrale im Universitätsklinikum und einer zusätzlichen Ausstattung des Rettungswagens. Damit wird eine durchgängige Kommunikation mit den Notfallsanitäter:innen und die Übertragung sämtlicher Informationen an die Telenotärzt:innen sichergestellt.